Welche Pflichten hat der Azubi in der Berufsausbildung?

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Eine aktuelle Umfrage besagt, 80,2 % der Auszubildenden finden, der eigene Arbeitsalltag läuft nicht strukturiert genug ab. Es ist nicht immer klar, welche Aufgaben wann und wie erledigt werden müssen und welche Tätigkeiten überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Auszubildenden fallen. Natürlich tauschen sich die Jugendlichen, zum Beispiel in der Berufsschule darüber aus und stellen fest, dass andere Auszubildende Azubis im gleichen Ausbildungsberuf, jedoch in anderen Unternehmen, Arbeiten nicht übernehmen müssen, die für sie selbst alltäglich sind.

Der § 13 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), regelt das Verhalten während der Berufsausbildung. Er besagt, welche Pflichten Auszubildende während Ihrer Ausbildung haben.

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Da es das Ziel der Berufsausbildung ist, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, welche zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, steht die Lernpflicht des Auszubildenden an erster Stelle. Der Auszubildende arbeitet darauf hin, alles zu lernen, was für einen erfolgreichen Berufsabschluss erforderlich ist und eignet sich durch kontinuierliches Üben die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse des Berufsbilds an. Die Lernpflicht beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Ausbildungsbetrieb, sondern dazu gehört auch, dass der Auszubildende regelmäßig am Berufsschulunterricht teilnimmt.

Auszubildende haben sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist. Sie sind insbesondere verpflichtet,

…die ihnen im Rahmen ihrer Berufsausbildung aufgetragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen

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Mit dem Begriff „Sorgfaltspflicht“, können die wenigsten jungen Menschen zu Beginn ihrer Berufsausbildung etwas anfangen. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass sie die Auswirkungen ihrer Handlungen noch nicht einschätzen können. Für den Auszubildenden ist es „nur ein kleiner“ Fehler, wenn er zum Beispiel bei der Einlagerung von Waren während der Erfassung des Lagerplatzes zwei Zahlen vertauscht. Es ist ihm unter Umständen gar nicht klar, wie lange es zwischen 10.000 verschiedenen Lagerartikeln dauern kann, ein Päckchen mit 50 Schrauben wieder zu finden. Erklären Sie Ihrem Auszubildenden also nicht nur was er tun soll, sondern auch die Auswirkungen die sein Handeln hat. Das bringt nicht nur eine sorgfältigere Arbeitsweise, sondern der Azubi erfährt dadurch auch eine Wertschätzung für seine Tätigkeit, wenn er erkennt, inwiefern er bereits in der Ausbildung zu einem reibungslosen Betriebsablauf beiträgt.

Sollte der Auszubildende dennoch seine Aufgaben nicht gewissenhaft durchführen und sich immer wieder Fehler ergeben, ist es als Erstes an Ihnen die Gründe dafür herauszufinden. Liegt es wirklich daran, dass der Azubi seine Aufgaben nachlässig erfüllt, oder liegt es daran, dass er nicht genügend Zeit für die Ausführung des Arbeitsauftrags zur Verfügung hat?

…an Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen, für die sie freigestellt werden

Diese Ausbildungsmaßnahmen umfassen die Teilnahme am Berufsschulunterricht, der Zwischen- und der Abschlussprüfung, sowie sämtlichen außerhalb der Ausbildungsstätte vorgesehenen Ausbildungsmaßnahmen.

Besonders die Teilnahme am Berufsschulunterricht steht bei vielen Auszubildenden nicht besonders hoch im Kurs, da die Inhalte häufig nicht als ausreichend praxisgerecht empfunden werden. Für die Azubis kann es hilfreich sein zu verstehen, dass es im dualen System nicht die Aufgabe der Berufsschule ist, praktische Ausbildungsinhalte zu vermitteln, sondern vielmehr dafür zu sorgen, allgemeine Lerninhalte zu vermitteln und ergänzende Aspekte des Berufs kennen zu lernen.

…den Weisungen zu folgen, die ihnen im Rahmen der Berufsausbildung von Ausbildenden, von Ausbildern oder Ausbilderinnen oder von anderen weisungsberechtigten Personen erteilt werden

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Auszubildende müssen weisungsberechtigten Personen Folge leisten, wenn es sich um zulässige Weisungen im Rahmen der Ausbildung handelt. Hier stellt sich gleich einmal die Frage, wer eigentlich in diesem Zusammenhang „weisungsberechtigte Personen“ sind. Gerade in der Berufsausbildung ist es das nicht immer allen Beteiligten klar und so kann es schnell passieren, dass sich der Azubi mit gegensätzlichen Arbeitsanweisungen konfrontiert sieht.

Zunächst einmal sind die Vorgesetzten des Auszubildenden weisungsberechtigt. Das sind zum Beispiel der Geschäftsführer, Sie als Ausbilder oder der Personalleiter. Abteilungsleiter, Meister oder Sachbearbeiter gehören immer dann dazu, wenn sie gerade für die Ausbildung zuständig sind oder jeweiligen Verantwortungsbereich gegenwärtig ausgebildet wird. Gleichgültig wer aus diesem Personenkreis die Anweisung gibt: alle aufgetragenen Tätigkeiten müssen zum Erreichen des Ausbildungszieles beitragen.

…die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung zu beachten

Auch Auszubildende müssen die für den Ausbildungsbetrieb geltende und im Ausbildungsvertag aufgeführte Betriebsordnung beachten.

Diese Pflicht umfasst ebenfalls die Beachtung der Vorschriften zur Arbeitssicherheit (zum Beispiel Bestimmungen zum Tragen von Schutzkleidung) und Angaben zu einem eventuellen Rauchverbot.
Zeigen Sie ihrem Auszubildenden, wo er die Betriebsordnung einsehen kann und machen Sie ihn mit den darin enthaltenen Inhalten vertraut.

…Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln

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Als Ausbildungsbetrieb gehört es zu Ihren Pflichten, dem Auszubildenden die nötigen Ausbildungsmittel zur Verfügung zu stellen. Natürlich können Sie dann auch einen umsichtigen Umgang damit erwarten. Allerdings sollten Sie sich auch bewusst sein, dass ein Auszubildender gerade lernt, mit eben diesen Arbeitsmitteln umzugehen. Ein Mitarbeiter, der bereits seit vielen Jahren mit einer bestimmten Maschine vertraut ist, wird diese auch sachgemäßer benutzen können als Ihr Azubi. Sollte Ihr Auszubildender jedoch durch grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzlich Firmeneigentum beschädigen, ist er in diesem Fall schadensersatzpflichtig.

…über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren

Wenn Ihr Azubi im Ausbildungsbetrieb etwas besonders erlebt hat, oder ein Erfolgserlebnis hatte, will er das natürlich am Liebsten auch jedem mitteilen. Allerdings kann das der Verschwiegenheitspflicht gegenüberstehen. Hier ist es für Sie als Ausbilder besonders wichtig, dem Auszubildenden genau zu erklären, über was genau Stillschweigen zu bewahren ist.

Lassen Sie Ihren Auszubildenden auch eine Verpflichtungserklärung nach § 5 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) zur Wahrung des Datengeheimnisses unterschreiben. Damit sichern Sie nicht nur das Unternehmen ab, sondern Sie zeigen die Sensibilität des Themas auf.

Besprechen Sie als Ausbilder direkt zu Beginn der Ausbildung seine Pflichten. Erklären Sie ihm, was genau diese beinhalten und was Sie diesbezüglich von ihm erwarten. Bei einer Pflichtverletzung suchen Sie am besten umgehend das offene Gespräch mit dem Auszubildenden. Erklären Sie ihm, was aus Ihrer Sicht nicht richtig gelaufen ist und treffen Sie (eine schriftliche) Vereinbarung, wie die Situation künftig zu vermeiden ist.

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