Eine gut geplante Wissensvermittlung mit allen unterschiedlichen methodischen und didaktischen Feinheiten, ist nicht immer ein Garant für eine erfolgreiche Ausbildung. Wenn das Verhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildenden auf zwischenmenschlicher Ebene nicht stimmt, leidet oft auch der Lernerfolg darunter. Doch mit ganz einfachen Mitteln, können Ausbilder die Beziehung zum Azubi stärken.

Vorbild sein

Junge Menschen wollen sich an ihren vorgesetzten Personen orientieren können.
Damit die Ausbildung erfolgreich wird, müssen Sie als Ausbilder diese Vorbildrolle für sich annehmen.
Dabei geht es zum Beispiel um Pünktlichkeit, eine saubere und strukturierte Arbeitsweise, wie Sie Vereinbarungen und betriebliche Regeln einhalten (können Sie sich vorstellen, wie gerne ein Azubi die Vorschrift beachtet Sicherheitsschuhe zu tragen, wenn der Ausbilder mit Sneakers zur Arbeit kommt?), oder auch den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen (Neben bei bemerkt, sich am Flurfunk zu beteiligen ist nie eine gute Idee. Wer über andere spricht, über den wird auch geredet!).

Beständigkeit zeigen

Auszubildende beobachten und imitieren das Verhalten des Ausbilders gerade in unvorhergesehenen und schwierigen Situationen. Genau dann, wenn es einmal eng wird, können Sie als Ausbilder Charakterstärke zeigen, indem Sie in Ihren Grundansichten und in Ihrem Verhalten verlässlich und berechenbar sind.

Ansprechbar sein
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Auch wenn es nicht immer einfach ist, denn schließlich haben auch Sie Ihre Arbeitsaufgaben, seien Sie dennoch ansprechbar und nehmen Sie sich Zeit für Ihre Auszubildenden. Das muss nicht bedeuten, dass Sie jederzeit und ohne Anmeldung verfügbar sind. Durchaus nicht. Je nach Anzahl der Auszubildenden, vor allem wenn Kollegen aus den einzelnen Abteilungen die Fachausbildung sicherstellen, können Sie auch feste „Sprechzeiten“ vereinbaren. Wichtig ist jedoch, dass Sie interessiert an der Entwicklung des Auszubildenden sind und Ihre Unterstützung signalisieren, sollte er Unterstützung benötigen. Alleine die Gewissheit wird Sicherheit schaffen und dem Azubi das Gefühl geben, dass er nicht alleine kämpft.

Transparenz herstellen

Das wichtigste Werkzeug, wenn Sie Transparenz schaffen wollen ist die Kommunikation. Ohne einen intensiven Austausch von Informationen ist kein koordiniertes Arbeiten möglich. Mangelhaft informierte Auszubildende (und auch Mitarbeiter!) verlieren das Vertrauen in die Führung. Sie kennen es sicherlich aus eigener Erfahrung, wie schnell sich Spekulationen zu einem Thema verbreiten und sich im Nachhinein nur ein Bruchteil als Wahrheit herausgestellt hat.

Außerdem sollten Sie dem Auszubildenden auch keine Nachteile verschweigen, keine unrealistischen Erwartungen wecken oder gar falsche Versprechungen machen. Einmal verloren gegangenes Vertrauen, lässt sich nur mit viel Mühe wieder herstellen.

Bestätigung geben
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Durch eine Verhaltensbestätigung des Ausbilders, erhöhen sich beim Auszubildenden die Sicherheit im Handeln und das Selbstwertgefühl. Wobei es hier nicht immer nur auf das gesprochene Wort ankommt: Mimik, Gestik und Tonfall machen einen Großteil der Kommunikation aus. So können selbst ein Kopfnicken oder ein bestätigendes Lächeln über die Distanz hinweg, als Anreiz genügen.

Allerdings sollten Sie die positive Bestätigung von Verhalten, wie auch alle anderen Techniken, nicht zur Manipulation verwenden, sondern aufrichtig meinen. Sie können sich sicher sein, dass Ihr Azubi diesen Unterschied schnell feststellt.

Belohnung vergeben

Wir alle wünschen uns Lob und Anerkennung (auch, ohne dafür etwas geleistet zu haben). Normalerweise ist die Belohnung eine positive Rückmeldung auf eine Leistung oder ein gezeigtes Verhalten, wodurch der Auszubildende dazu ermutigt wird, die Leistung oder das Verhalten zu wiederholen. Die Lern- und Leistungsbereitschaft steigen, genau so wie kreative Wege der Problemlösung zunehmen.
Ein Beispiel dafür wäre: „Da du am Montag bereit warst, länger zu bleiben, darfst du heute 30 Minuten früher gehen.“

Was jedoch, wenn Sie Ihrem Auszubildenden Ihre Anerkennung nicht nur für erbrachte Leistungen zu geben, sondern eine Wertschätzung seiner Person die Grundlage der Zusammenarbeit bildet? Das setzt einen vollständig anderen Grundton im Umgang und der Kommunikation, anstatt den Auszubildenden sich Anerkennung „verdienen“ zu lassen.

Freundlich erinnern
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Die freundliche Erinnerung fällt bereits in die Kategorie „Erziehungsmittel“. Jedoch eines, das den anderen in seiner persönlichen Begrenztheit akzeptiert und anerkennt, dass Fehler und Vergesslichkeiten in der Zusammenarbeit vorkommen können. Dennoch kann es jedoch nötig sein, den Auszubildenden persönlich an Versäumnisse zu erinnern.

Ein beliebtes Beispiel dafür ist der geführte Ausbildungsnachweis, dessen Abgabetermin in der Praxis von Auszubildenden gerne „vergessen“ wird: „Bitte lege mir bis morgen 12:00 Uhr das Berichtsheft auf den Schreibtisch, um das ich dich bereits mehrfach gebeten habe.“ Auch hier macht der Ton die Musik und wie immer gilt: Erinnerungen und Vereinbarungen sind nutzlos, wenn danach keine Kontrolle stattfindet!

Konstruktive Kritik üben

Damit Kritik den Auszubildenden nicht vor anderen bloßstellt, ist es hilfreich wenn Sie sich in die Situation des Azubi hineinversetzen und dann nur so kritisieren, wie Sie es für sich selbst als angemessen betrachten würden. Kritik aus einer spontanen Wut heraus ist nie eine gute Idee. Harsche oder ungerechtfertigte Kritik, ist wenig hilfreich, denn durch einen persönlichen Angriff, wird eine inhaltliche Auseinandersetzung für den Auszubildenden unmöglich.

Positiv mit eigenen Fehlern umgehen

Ausbilder die in einer ermutigenden Form mit den eigenen Fehlern umgehen, schaffen im Unternehmen eine positive Fehlerkultur. Wenn Sie eigene Fehler eingestehen, verlieren Sie hierdurch nicht an Autorität. Ganz im Gegenteil: bereits durch ein kurzes „Da hast du recht, das habe ich nicht so gesehen.“ oder „Das habe ich nicht gewusst!“ machen Sie sich glaubwürdig.

Sie können also Ausbilder also über verschiedene Wege und mit Ihrem eigenen Verhalten bei Ihrem Auszubildenden gewünschte Verhaltensweisen hervorbringen und festigen, ohne dass Sie durch eine Anweisung direkt auf ihn einwirken. Einfach indem er sich ein Beispiel an Ihnen nimmt.

Titelbild: pixabay.com©maxlkt

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