[Podcast] Wer haftet, wenn der Azubi einen Schaden verursacht?

Ausbilder PodcastBereits ein Sprichwort sagt: „Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne“. Dass also dem Auszubildenden während der Arbeitszeit auch Fehler unterlaufen können, ist nur allzu menschlich. Vor allem, je länger der Auszubildende seine Arbeitsleistung erbringt oder auch bei Handgriffen die er erst kürzlich gelernt hat, wird irgendwann die Abnahme der Konzentrationsfähigkeit kaum mehr zu vermeiden sein. Für machen Ausbildungsbetrieb stellt sich dann die Frage, wer haftet eigentlich, wenn der Azubi etwas kaputt macht? 

In dieser Episode des Ausbilder Podcasts klärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Christian Velten, wer haftet, wenn der Auszubildende einen Schaden verursacht und was Ausbilder beachten müssen.

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Zusammenfassung der Episode

Die Haftung eines Arbeitgebers und eines Auszubildenden richtet sich nicht in vollem Umfang nach den allgemeinen zivilrechtlichen Haftungsgrundsätzen, sondern die Rechtsprechung sieht hier Ausnahmen vor.

Wir haben besprochen, dass es keinen Unterschied macht, ob es sich um ein Arbeitsverhältnis im klassischen Sinne, oder um ein Ausbildungsverhältnis handelt. Das Bundesarbeitsgericht prüft hier zunächst, ob es sich um eine betrieblich veranlasste Tätigkeit handelt, also ob diese ganz konkret mit der Arbeitsleistung zusammenhängt, oder ob es eine Tätigkeit ist, die nur bei Gelegenheit erfolgt. Wenn es sich um eine betrieblich veranlasste Tätigkeit handelt, muss je nach Verschuldensvorwurf unterschieden werden.

Es spielt dabei eine Rolle, ob der Azubi mit einfachster Fahrlässigkeit gehandelt hat, damit scheidet eine Haftung komplett aus. Hat er mit mittlerer Fahrlässigkeit gehandelt, ist eine Haftungsquote zu bilden. Diese richtet sich nach dem Verschuldensgrad, den persönlichen Verhältnissen des Auszubildenden und auch nach der Versicherbarkeit des Risikos. Bei grober Fahrlässigkeit kommt eine Haftungsquote grundsätzlich nicht mehr in Betracht, sondern nur, wenn das Haftungsrisiko völlig außerhalb des Verhältnisses zur gewährten Vergütung steht. Wenn der Auszubildende vorsätzlich gehandelt hat, kommt eine Haftungsfreistellung nicht mehr in Betracht und der Azubi haftet in voller Höhe.

Wir haben besprochen, dass Ausbilder um nicht selbst in eine Haftungsgefahr zu geraten, darauf achten sollten, ihren Einweisungs- und Kontrollpflichten nachzukommen, indem Sie den Auszubildenden in dem jeweiligen Betriebsprozess ganz konkret auszubildenden und ihm die einzelnen Schritte zu zeigen, damit der Azubi dann auch selbstständig diese Tätigkeit ausführen kann. Weiterhin müssen Ausbilder ihren Kontrollpflichten nachkommen, um zu überprüfen, ob der Auszubildende die Aufgabe auch wirklich verstanden hat und ausführen kann, oder hatte er bei der Erfüllung Schwierigkeiten, bei denen der Ausbilder eingreifen muss.

Bei der Ausbildungsvergütung wurde darauf hingewiesen, dass eine Aufrechnung eines Schadensersatzanspruches gegen den Auszubildenden mit der Ausbildungsvergütung nicht zulässig ist. Das würde gegen das gesetzliche Aufrechnungsverbot verstoßen.

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