Der Schlüssel zu nützlichem Feedback

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„Was haben Sie sich eigentlich dabei gedacht?“

Unbestritten – bei dieser Aussage handelt es sich um ein Feedback zu einem bestimmten Verhalten. Doch wie würden Sie sich dabei fühlen, wenn Sie diesen Satz von Ihrem Vorgesetzten zu hören bekommen? Es entsteht dabei nicht gerade der Eindruck, dass er es gut mit Ihnen meint und ihm daran gelegen ist, dass sich selbst erkennen können und dadurch erfolgreicher werden, oder? Ihrem Auszubildenden geht es da nicht anders.

Dabei ist es das Ziel von hilfreichem Feedback, dem Gegenüber Chancen zu einer positiven Entwicklung zu eröffnen und nicht sich selbst danach besser zu fühlen oder sogar eigene Ziele zu verfolgen.

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Rückmeldungen, positive wie negative, sind ein sensibler Bereich der Kommunikation. Meist wird es dabei persönlich und so kann schnell der Eindruck entstehen, kritisiert zu werden. Genau das macht Feedback geben manchmal gar nicht so einfach – Feedback nehmen übrigens auch nicht. Natürlich kann Kritik ein Anlass für ein Gespräch sein. Muss es aber nicht. Ein Feedbackgespräch ist nicht zwangsläufig ein Kritikgespräch.

Bevor Sie überhaupt darüber nachdenken, ob das Feedback in einer bestimmten Situation das geeignete Mittel der Wahl ist, um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen, tun Sie gut daran erst einmal die eigenen Motive genauer zu betrachten. Geht es wirklich darum, den anderen in seiner Entwicklung weiterzubringen? Wenn Sie selbst morgens bereits „mit dem falschen Fuß“ aufgestanden sind, der Kaffee nicht geschmeckt hat und gerade ohnehin nicht alles nach Plan läuft, sollten Sie sich nochmals überlegen, ob das der geeignete Tag dafür ist objektives Feedback zu geben. In einer solchen Situation werden Sie wahrscheinlich niemandem weiterhelfen.

Feedback ist ein Angebot an den Auszubildenden

AEVO OnlineFeedback sollte immer ein Angebot sein, und erfordert die Bereitschaft des Auszubildenden offen dafür zu sein es zu empfangen. In dieser Hinsicht unterscheidet es sich von einer Anweisung. Eine Arbeitsanweisung ist umzusetzen. Punkt. Beim Feedback gilt das nicht. Hier kann sich der Feedback-Nehmer überlegen, was er mit Ihren Eindrücken anfängt. Er kann sie annehmen – oder eben auch nicht, denn beide Gesprächsteilnehmer begegnen sich auf Augenhöhe und nicht in einer Ausbilder-Auszubildender- Konstellation. Wenn es Ihnen darum geht, dass etwas unbedingt eingehalten oder umgesetzt werden muss, geben Sie lieber gleich eine Anweisung.

Rahmenbedingungen von hilfreichem Feedback

Bevor Sie das Gespräch mit Ihrem Auszubildenden führen, sollten Sie sich die Zeit nehmen und sich entsprechend mit dem „Was“ und „Wie“ Ihrer Botschaft auseinandersetzten:

  • Bereiten Sie das Gespräch vor und legen Sie für sich selbst die Kernaussagen dessen was Sie vermitteln wollen zurecht. Sagen Sie dem Auszubildenden, dass Sie ihm gerne ein Feedback geben möchten, und prüfen Sie, ob er offen dafür ist.
  • Feedback wird in einem persönlichen Rahmen geben und nicht im Großraumbüro neben dem Drucker. Sorgen Sie also für eine ungestörte und persönliche Gesprächsatmosphäre.
  • Sind Ihnen alle Einzelheiten der Sache bekannt? Kennen Sie die Hintergründe, die zu dieser Situation geführt haben? Gutes Feedback ist sachlich richtig, ehrlich, konkret, und bewegt sich nicht im Rahmen von Spekulationen.
  • Geben Sie zu einem bestimmten Anlass zeitnah und konkret Feedback. Nutzen Sie die Situation nicht, um verschiedene Themen abzudecken.
  • Wählen Sie Ich-Botschaften für das was Sie sagen wollen: „Ich hatte den Eindruck, dass…“ oder „Ich habe wahrgenommen…“.
  • Denken Sie daran, der Auszubildende kann wählen, ob und inwiefern er Ihr Feedback annimmt. Fordern Sie von ihm also keine direkte Stellungnahme zu dem was Sie gesagt haben und fordern Sie auch nicht zu einer Änderung seines Verhaltens auf.

Haben Sie selbst schon einmal Feedback bekommen? Manchmal ist es hilfreich, einfach die eigenen Erfahrungen genauer anzusehen. Was davon hat Ihnen weitergeholfen und was empfanden Sie eher als störend?

Lassen Sie als Ausbilder auch Feedback zu

Wenn Sie Feedback richtig anwenden und die Absicht dahinter steht, ernsthaft zu einer Verbesserung beizutragen, schaffen Sie die Basis für ein solides Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Auszubildenden. Feedback zu geben ist dann auch keine Einbahnstraße. Seien Sie auch offen dafür Ihrem Auszubildenden zuzuhören. Damit erhalten Sie wertvolle Einblicke, wie Sie selbst als Ausbilder wahrgenommen werden.

Setzen Sie regelmäßiges Feedback bei der Ausbildung ein? Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilen.

 

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