[Podcast] Wie Sie Azubis motivieren und führen

Wer sind die eigentlich, unsere Azubis? Auch wenn sich nicht immer alle Menschen über einen Kamm scheren lassen, gibt es doch Rahmenbedingungen die die jeweiligen Generation prägen. Glücklicherweise entfernen wir uns immer mehr davon, dass es, wenn es um Mitarbeiter- oder Azubi-Motivation geht, bei „Tschakka-Du-Schaffst-es-Parolen“ bleibt, sondern hin zu der Erkenntnis, dass eine komplette und vor allem nachhaltige Strategie noch etwas mehr beinhalten muss um zu funktionieren.

In dieser Episode des Ausbilder Podcast widmen wir uns gemeinsam mit Nele Kreyßig der Frage, was Leistung mit Motivation zu tun hat und ob es überhaupt möglich ist, seine Azubis zu motivieren.

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Melanie Guth: Mein Eindruck ist es, dass wir uns glücklicherweise immer mehr davon entfernen, dass es, wenn es um Mitarbeiter-Motivation geht, bei „Tschakka-Du-Schaffst-es-Parolen“ bleibt. Keine Frage, manchmal muss es auch ganz schön plakativ sein – dafür bin ich auch. Allerdings kann eine komplette und vor allem auch eine nachhaltige Strategie noch etwas mehr beinhalten um zu funktionieren und das sollte sie auch. Doch bevor wir darauf gleich eingehen und wir richtig starten, Frau Kreyßig stellen Sie sich unseren Hörerinnen und Hören gerne mit ein paar Worten selbst vor.

Nele Kreyßig: Sehr gerne. Vielen Dank. Ich bin Nele Kreyßig. Ich bin zertifizierte Business Trainerin und Management Coach und bin wie die Frau Guth gerade schon sagte, bundesweit im Einsatz. Ich trainierte und coache sowohl Ausbilder als auch Auszubildende, junge Talente und Nachwuchsführungskräfte in Themen wie Motivation, Leistungsbereitschaft und alles was sich so unter dem Begriff „Young Talent Management“ zusammenfasse, wo es darum geht, Ausbildungszeit erfolgreich zu gestalten.

Dann lassen Sie uns hiermit doch direkt in das Thema einsteigen. Nicht immer lassen sich alle Menschen über einen Kamm scheren, doch es gibt auch immer Rahmenbedingungen, die eine jeweilige Generation prägen. Daher steigen wir doch direkt mit der Frage ein: Wer sind eigentlich, unsere Azubis die gerade in den Unternehmen sind?

Ja, das ist tatsächlich eine sehr zentrale Frage, die ich auch immer wieder gestellt bekomme, denn irgendwie fällt den Menschen auf, den Ausbildern und den Mitarbeitern: Irgendwie sind die alle so anders als wir. Und damit geht die Frage schon los: „Wer sind die eigentlich unsere Azubis?“ Das kann man ganz konkret so beantworten: Erstmal sind sie anders als wir. Denn nicht nur Menschen untereinander sind unterschiedlich, das ist jetzt eine Neuigkeit die ist jetzt nicht mehr so brisant, sondern ganz speziell auch unterschiedliche Generationen weisen unterschiedliche Werte, Bedürfnisse und Verhaltensweisen auf. Das ist meistens das, wo dann das Fragezeichen kommt: „Warum sind die Azubis eigentlich so anders? Verstehe ich nicht.“

Stichwort „Wertewandel“ also an dieser Stelle. Einfach zur Kenntnis zu nehmen, dass die Zeiten sich geändert haben und auch die Rahmenbedingungen die dazu beitragen, richtig?

Genau, ich nehme da gerne immer ein Beispiel aus meinem ganz persönlichen Umfeld. Wenn Sie sich mal jeder selbst überlegen, mit welchem Telefon haben Sie als Jugendlicher telefoniert? Fällt Ihnen vielleicht so ein grünes Tastentelefon ein, wo Sie sich den Hörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt haben? Oder sogar noch eine Wählscheibe? Wenn Sie sich jetzt die Azubis von heute ankucken, mit was für einem Telefon die unterwegs sind und übertragen wir jetzt dieses Telefon einmal auf ein Kommunikationsverhalten, wie wir damals Kommunikation geübt und gelernt haben und wie die Azubis das heute tun, ist das ein ganz gutes Beispiel, wie unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Werte auch unterschiedliche Verhaltensweisen prägen. Dafür können wir ehrlich gesagt alle nichts, weil weder wir haben uns damals unter Telefon ausgesucht, noch kann die Jugend von heute etwas dafür, dass sie nun mal mit Smartphones rumlaufen.

Also ich kann mich noch gut daran erinnern und Sie wahrscheinlich auch, damals hat man das Telefon, wenn man es irgendwohin tragen wolle, noch mitgenommen und mit sich rumgeschleppt und dann immer gekuckt, reicht die Schnur – ja oder nein, oder bin ich schon am Ende und reiße das Ding aus der Wand. Es war damals einfach nicht vorstellbar ein so kleines Gerät mitzunehmen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das damals war.

Genau und so geht das den Meisten. Ich denke, gerade das Kommunikation jetzt immer verfügbar ist und das kennen Sie auch von damals: „Oh, ein Ferngespräch. Wir müssen uns kurz halten.“ Die Art und Weise wie ich kommuniziere, ob ich schlagfertig etwas antworte, oder ob ich eine Nachricht lieber erst in drei Tagen beantworte, wenn ich sie überhaupt beantworte, weil es ist ja eine WhatsApp Nachricht und kein Anruf, das schult schon ganz unterschiedliche Kommunikations-Skills. Um nur mal bei einem ausgewählten Beispiel zu bleiben, was Unterschiede in den Generationen ausmachen.

Das ist dann meist der Punkt, an dem immer wieder Klischees aufkommen. Da kommen dann oftmals so Dinge wie: „Die Azubis heutzutage sind nicht motiviert, oder sie fordern nur, sind dabei nicht bereit auch etwas zu geben oder etwas zu leisten für das Unternehmen, die machen pünktlich Feierabend, die interessieren sich mehr für ihr Privatleben als das Geschäftliche…und die Liste ließe sich nun beliebig fortsetzen. Da finden wir jetzt sicherlich auch noch etwas mehr, wenn wir danach suchen und manch einer mag sich dann an dieser Stelle die Frage stellen: Motivierte Azubis, geht das überhaupt? Kann das funktionieren?

Und genau diese Klischees, die Sie gerade ansprechen sind aus meiner Erfahrung eine ziemlich große Falle. Denn wenn wir die Auszubildenden und jungen Talente im Unternehmen mit einem doch so negativ behafteten Klischee betrachten, dann zahlt genau das auf das Gegenteil von Motivation ein. Denn genau das merken die Azubis und um Ihre Frage zu beantworten „Motivierte Azubis geht das?“ ist meine ganz klare Antwort dazu „Ja“. Studien belegen: die wollen leisten. Die wollen gut sein. Ja, die machen vielleicht vorzeitig Feierabend, doch es ist nachgewiesen, dass sie anders arbeiten wollen. Nicht weniger, sondern anders und ein ganz, ganz großer Aspekt dabei ist: sie wollen verstanden werden und nicht mit einer gerümpften Nase „die schon wieder mit ihrem Smartphone“ betrachtet werden, sondern da geht es um Verständnis, Wertschätzung, Freiräume und ein ganz wichtiges Wort hierbei ist das Wort „Selbstwirksamkeit“. Die jungen Menschen von heute möchten wissen und verstehen was sie tun, warum sie es tun und auf welchen hören Sinn das einzahlt im Unternehmenskontext und vielleicht sogar darüber hinaus.

Hier auch vielleicht wieder der Hintergrund, dass wir alle etwas tun wollen, was von beitragen kommt. Nicht nur zur Arbeit gehen und abends dann an der Stechuhr einmal stempeln und es ist vorbei, sondern auch sehen „Wie sieht mein Beitrag aus? Was habe ich geleistet? Nicht nur im theoretischen Sinne, denn an der Werkbank sieht man das direkt, an anderen Stellen eher weniger. Da ist der Arbeitstag vergangen und sie haben kein Werkstück in der Hand, trotzdem ist es wichtig für den Auszubildenden zu verstehen „was habe ich getan und wie sah heute mein Beitrag aus?“. Was wäre in der Praxis Ihr Vorschlag für Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte, wie man sowas fördern kann?

Es gibt ein Schlüsselwort dazu: das nennt sich Wertschätzung. In Wertschätzung steckt so etwas wie regelmäßige Rückmeldung. Regelmäßiges Feedback und auch mal ein Lob. Das ist, was diese Ausbildergeneration recht wenig gelernt hat. A, weil sie selbst relativ wenig, Feedback, Rückmeldung, Wertschätzung und Lob erfahren haben und so übertragen wir das nun meist auf die Menschen mit denen wir in der anderen Perspektive zu tun haben. Sie können jedoch ganz einfach darauf einzahlen, und das ist genau das, was die Generation fordert, die möchten einen Austausch, die möchten gesehen werden und dafür braucht es regelmäßig Rückmeldung, Feedback, Lob.

Das hört sich meistens alles ganz schön an. Das sind auch Schlagworte mit denen auch oft umgegangen wird: ein schönes Arbeitsumfeld, gehört werden, Sichtbarkeit erreichen. Doch in einem wirtschaftlichen Umfeld geht es in Konsequent, da brauchen wir uns nichts vorzumachen, darum Geld zu verdienen und dass am Ende ein positives Ergebnis rauskommt. Dann stellt sich die Frage: „Was Leistung mit Motivation zu tun hat?“.

Das ist die ganz zentrale Frage, denn ich mag gerade nochmal zu dem Thema Rückmeldungen zurückkommen. Lob ist ein anders Wort als Rückmeldungen. In Rückmeldungen steckt auch drin „Sorry, das muss schneller gehen“. Da steckt auch drin „Ich habe hier etwas beobachtet, dass wirkt auch mich so…das mag ich nicht…das hätte ich gerne anders.“, also da geht es durchaus auch um Verbesserungen. Es geht nicht nur um streicheln, um Lob und in Watte packen. Definitiv nicht. Das was danach entsteht, also eine Leistungsbereitschaft, eine Leistungswilligkeit, ist eine ganz natürliche Konsequent, wenn ich dem jungen Menschen regelmäßiges Feedback und Rückmeldung gebe. Denn nur dann, können Sie sich tatsächlich verändern, haben die Chance zu wachsen und können besser werden. Das was dann am Ende, da gebe ich Ihnen völlig recht, dabei rausploppen muss, ist sowas wie Leistung.

Wie kann ich als Ausbilder jetzt herausfinden, was meinen Auszubildenden jetzt antreibt – wie ich seine Motivation steigern kann und damit auch seine Leistung?

Ganz zentrale Frage. Die wird mir immer wieder gestellt und die Antwort klingt so einfach: Fragen Sie ihn einfach. Die meisten jungen Menschen sind da doch schon recht sprachfähig. Sie müssen das gar nicht so groß aufbauschen und fragen: „Was motiviert Sie denn?“, sondern Sie können ganz einfach fragen: „Was sind denn so Rahmenbedingungen, die Du brauchst damit es dir hier gut geht? Was brauchen Sie denn, um hier optimal Leistung bringen zu können?“ Und der derjenige, der ein wenig mehr Lob braucht, wird Ihnen das sagen. Und derjenige der sagt: „Ich brauche etwas mehr Raum für mich, dass ich hier optimal Leistung bringen kann“, der wird Ihnen das auch sagen. Fragen Sie die Azubis und gehen Sie ihnen dabei ein kleines bisschen Hilfe, indem Sie sagen: „Beschränken wir uns einmal auf drei Aspekte“, damit nicht so ein riesiger Blumenstrauß an „brauche dies und das und jenes und dieses brauche ich auch noch“, damit der Wunschkatalog gar nicht erst aufgeht, sondern begrenzen Sie es gleich auf 3 Aspekte. „Was brauchen Sie lieber Azubi, um hier im Unternehmen optimal Leistung bringen zu können?“. Um nochmal auf die Frage zurückzukommen, was die jungen Mitarbeiter, die jungen Talente im Unternehmen eigentlich antreibt, da habe ich Ihnen noch ein ganz praktisches Instrument mitgebracht. Und zwar jeder von Ihnen der gerade zuhört, darf sich einmal die Frage stellen: „Habe ich mir schon einmal eine Topfpflanze gekauft?“ Jetzt fragen Sie sich vielleicht: „Was hat jetzt eine Topfpflanze mit dem Thema was treibt Auszubildende an zu tun?“. Dazu kommen wir gleich. Also ich gehe einmal davon aus, jeder von Ihnen hat sich schon mal eine Topfpflanze gekauft. Wenn ich Sie jetzt fragen würde: „Wer hat sich schon einmal eine gekauft und diese Topfpflanze ist ihnen schon einmal eingegangen?“, dann nicken die meisten Menschen. Warum geht jetzt eigentlich so eine Topfpflanze ein?

Wenn Sie mal genau hinschauen, dann hat so eine Topfpflanze, da ist meistens so ein kleines Zettelchen bei sich. Und dieses Zettelchen ist eine Pflegeanleitung. Und auf dieser Pflegeanleitung der Topfpflanze stehen drei Aspekte drauf: Wie viel Wasser? Wie viel Dünger? Und wie viel Licht brauche ich Topfpflanze eigentlich, um optimal blühen und wachsen zu können? Und wenn wir dieses Bild der Pflegeanleitung einmal auf die Arbeit mit den Auszubildenden übertragen, dann können Sie das direkt gleich mitnehmen. Beim nächsten Gespräch mit dem Auszubildenden, mit dem Sie sowieso regelmäßig zusammensitzen, nehmen Sie das gleich mit und fragen den Auszubildenden: „Welche drei Rahmenbedingungen brauche Sie hier im Unternehmen, hier in der Abteilung, um optimal blühen und wachsen zu können?“ Und optimal blühen und wachsen steht natürlich für „Was brauche ich, um mit Freude Spitzenleistungen zu bringen?“, denn das ist ja genau das was wir im Unternehmen haben wollen. Wir wollen ja Spitzenleistungen von den Auszubildenden, die mit (ganz wichtig) Freude geleistet wird.

Und da können Sie jetzt mit dem Auszubildenden zusammen, oder er macht das als Hausaufgabe zu Hause über’s Wochenende, drei Rahmenbedingungen die ich brauche, um hier in der Abteilung blühen und wachsen zu können – wieviel Dünger, wieviel Sonne und wieviel Wasser brauche ich eigentlich. Ich Auszubildender.

Und das vielleicht auch mit dem Hintergedanken nicht von „wünsch-dir-was“ mit der guten Fee, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, damit am Ende auch wirklich etwas dabei herauskommt.

Genau, und das darf auch gerne im Dialog stattfinden. Das heißt, wenn ich in einem Betrieb bin in dem es keine Gleitzeit gibt, und der Azubi sagt: „Um optimal leisten zu können, brauche ich Gleitzeit“, dann ist das etwas, das im Dialog sehr gut wieder aufgegriffen werden kann, denn wir wollen uns ja realistische und Umsetzbare Rahmenbedingungen anschauen. Dann muss man halt gemeinsam schauen: wenn Gleitzeit keine Möglichkeit ist, wie können wir dann im Rahmen unserer Möglichkeiten näher kommen.

Das heißt dann, dass das Ergebnis nicht sein muss, dass wir einfach alles umsetzen was auf der Wunschliste steht, sondern dem einen Rahmen zu geben und dem jungen Menschen das Gefühl zu geben gehört zu werden, Raum zu schaffen und Sichtbarkeit zu erlangen. Damit diese das Gefühl mitnehmen „ich werde wahrgenommen“ oder auch „meine Bedürfnisse werden wahrgenommen“ und ob sich diese dann hinterher umsetzten lassen steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

Ganz wichtiger Punkt. Ich bin überhaupt kein Freund davon „Das Leben ist ein Ponyhof“ und wir wollen alle ganz glücklich bei der Arbeit sein. Da muss auch mal gebuckelt werden. Genau wie Sie es sagen, es geht zum einen darum gehört zu werden, die Themen auch wirklich ernst zu nehmen und ich sage es Ihnen ganz ehrlich – wenn Sie da Bedenken haben, wenn Sie die Azubis einladen sich drei Aspekte auszusuchen, dass da utopische Dinge zum Vorschein kommen,, wenn Sie in einem guten Dialog mit dem Azubi sind, dann macht er das nur einmal und dann kommt beim nächsten Mal wenn Sie nachfragen nicht wieder dieses Wunschkonzert.

Würden Sie uns als Abschluss dieser Episode die aus Ihrer Sicht wichtigsten Punkte nochmal zusammenfassen? Und vielleicht noch den einen oder anderen Tipp mit auf den Weg geben, um das auch in der Praxis sinnvoll umzusetzen.

Sehr gerne. Was ich als allerersten zentralen Punkt wichtig finde, ist die Haltung, die wir gegenüber den Auszubildenden und jungen Talenten im Unternehmen gegenüber haben. Nicht mit der gerümpften Nase „die sind anders und vielleicht sogar komisch“, mit dieser Einstellung nicht dem Auszubildenden gegenüber zu treten, sondern offen zu sein und Verständnis zu haben, dass Menschen gerade in unterschiedlichen Generationen anders sind. Da hilft vielleicht sogar mal ein ganz praktischer Tipp: Seien Sie neugierig. Seinen Sie neugierig, was Ihnen dieser junge Mensch der Ihnen gegenübersitzt, zu dem gemacht hat was er heute ist. In was für einer Zeit ist er aufgewachsen. Fragen Sie ruhig. Das ist so das eine. Wirklich die Einstellung zum Azubi. Seien Sie offen und neugierig, denn wir brauchen diese Diversität im Unternehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Zum nächsten die Frage: „Was treibt denn jetzt die jungen Menschen eigentlich an?“. Ganz einfacher Tipp aus der Praxis: Fragen Sie die jungen Menschen und das ist meistens ganz einfach.

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