[Podcast] Ausbildungsmethoden: Das Modell der vollständigen Handlung

Ausbildungsmethoden und der Einsatz von Medien, sind wichtige Instrumente, um Lernende im Prozess zu unterstützen, damit die Lernziele auch erreicht werden. Eine mögliche Ausbildungsmethode ist das Modell der vollständigen Handlung, oder auch Leittextmethode genannt. Sie wird auch häufig als Anleitung zum Lernen bezeichnet, denn mit Hilfe einer Abfolge von schriftlichen Fragen und Anleitungen, die den Auszubildenden auf die richtigen Schritte zum Erreichen des Lernziels bringen sollen, soll der Azubi den kompletten Prozess selbstständig planen, durchführen, und kontrollieren.

In dieser Episode des Ausbilder-Podcasts erklärt Jutta Mohamed-Ali was das Modell der vollständigen Handlung ist, wie es im Ausbildungsalltag sinnvoll eingesetzt werden kann und welche Alternativmethoden Ausbilder verwenden können.

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Zusammenfassung der Episode

In vielen AEVO Kursen, wird der Kreislauf der vollständigen Handlung als das optimale Instrument verkauft um Auszubildenden größtmögliche Freiheit beim selbstentdeckenden und selbsterfahrenden Lernen zu ermöglichen. Das ist soweit auch richtig, wobei die Kursteilnehmer häufig nicht berücksichtigen, dass der Gegenstand der Lerneinheit an die jeweilige Lehrmethode angepasst werden muss.

Eine häufige Frage ist dann, in wieweit die 4-Stufen-Methode dem Kreislauf der vollständigen Handlung entsprechen könnte.
Hier offenbart sich dann, dass die Kursteilnehmer die Inhalte und Abläufe der jeweiligen Methoden noch nicht richtig gelernt und verinnerlicht haben. Die Vier-Stufen-Methode kann mit ihren vier Elementen erstens „Vorbereiten“, zweitens „Vormachen“, drittens „nachmachen“ und viertens „Üben“, selbstverständlich nicht dem Kreislauf der vollständigen Handlung entsprechen.

Trotzdem kann die Vier-Stufen-Methode natürlich durchaus angemessen sein, wenn sich die Lerneinheit zum Beispiel auf eine psychomotorische Tätigkeit bezieht. Es muss hier also beachtet werden, dass die Vier-Stufen-Methode hauptsächlich für handwerkliche Tätigkeiten geeignet ist. Wichtig für die Teilnehmer ist daher immer sich klar zumachen, welche der drei Lernbereiche bei einer Lerneinheit hauptsächlich angesprochen werden. Sind dies die kognitiven und\oder affektiven Lernbereiche, dann ist zumeist die 4-Stufen-Methode zum Vermitteln der Inhalte nicht geeignet.

Je komplexer ein Lerninhalt ist und je komplexer die entsprechende Lehrmethode gewählt wird, desto eher kann die Lehrmethode den Kreislauf der vollständigen Handlung abdecken.

Eine Möglichkeit dazu ist eben die Leittextmethode.
Leittexte sind schriftliche Handlungsanleitungen zum Lernen und Recherchieren. Die Auszubildenden werden durch Fragen und Aufgaben zu selbständiger Informationssuche sowie der Arbeit mit Materialien, Quellen und Medien angeleitet.
Die Leittextmethode wird eingesetzt, um das selbsterfahrene und selbstentdeckende Lernen anzuregen. Die Auszubildenden müssen ihren Lernprozess selbständig planen und die Inhalte größtenteils selbstständig bearbeiten. Die Leittexte unterstützen die Auszubildenden dabei, die Arbeits- und Lernabläufe in Teilschritte zu zerlegen und deren Reihenfolge zu bestimmen.

Sie gehen so vor, dass Sie zuerst im Gespräch mit dem Auszubildenden festlegen, um welchen Ausbildungsinhalt es eigentlich geht. Das kann man mithilfe des Ausbildungsrahmenplans ganz gut gemacht werden.

Zweitens ist darauf zu achten, dass die Aufgabenstellung angemessen ist, also nach dem Entwicklungs- und Wissensstand des Azubis auch tatsächlich durchgeführt werden kann. Außerdem ist es wichtig, dass der Ausbilder die Aufgabe vorher komplett selbst macht, um zu wissen mithilfe welcher Medien und unter welchen Quellen die Informationen zu bekommen sind. Somit kann er dem Azubi, sollte es erforderlich sein, Hilfestellung leisten.

Drittens sollte die Aufgabe eine gute Mischung aus theoretischen Hintergründen und praktischen Inhalten sein, die sich der Azubi zum Beispiel durch Gespräche mit Kollegen erarbeiten kann.

Viertens sollten Sie bereits eine Anzahl an Quellen zur Verfügung haben, falls der Azubi Schwierigkeiten bei der Recherche hat. Wie immer, sollte auch hier eine Lernerfolgskontrolle die Gesamtaufgabe abschließen.

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